Schaustellermuseum literarisch

Gedanken aus dem Essener Markt- und Schaustellermuseum, aufgeschrieben von Brigitte, einem großen Fan dieser einmaligen Sammlung.

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Standort: Düsseldorf/Essen, Nordrheinwestfalen, Germany

Ich bin Bibliothekarin - deshalb drehen sich meine Gedanken aus dem Markt- und Schaustellermuseum Essen hauptsächlich um Literatur - aber nicht nur... Ich arbeite ehrenamtlich ein paar Stunden pro Woche in dieser einzigartigen Sammmlung.

1.4.06

Integration


Heute in allen Zeitungen: Hilferuf der Berliner Lehrer : Angst, Gewalt, Bedrohung. "An Migranten wurde die Forderung gestellt, sich stärker um Integration zu bemühen" (Politiker).
Hier in der Gegend finden zum wiederholten Mal Kirmessen _umzäunt_ und mit Securityleuten statt (die von den Schaustellern bezahlt werden), weil viele der Besucher ihre aggressives Verhalten von der Schule z.B. auf den Kirmesplatz mitbringen.
Das ist ganz bedenklich. Ein frei zugängliches Volksfest, mitten in der Stadt gelegen, das friedlich verläuft, ist der beste Indikator für eine funktionierende Gemeinschaft. So gesehen sieht es hier in einigen Städten wohl ganz übel aus.
Als ich 1993 das Buch von David Nasaw: Going out: the rise and fall of public amusement las, dachte ich noch : gut, dass es bei uns anders ist. Nasaw bezeichnet die "öffentlichen Vergnügungen" als den wahren Schmelztiegel Amerikas und erhebt warnend den Zeigefinger: wenn die Volksfeste verschwinden und nur noch die Vergnügungsparks übrigbleiben, ist die Gesellschaft aus dem Lot.

Nachtrag vom 27. April 2006: Die NRZ, Lokalteil Düsseldorf meldet: "Kirmes hinter Gittern. Weil es zu Ostern auf dem Staufenplatz so viel Randale gab, wollen die Schausteller künftig einen Zaun um den Rummel ziehen und Eintritt kassieren. Eigene Polizeiwache geplant. Die Osterkirmes ist zum Problemfall geworden. Zwischen Kettenkarussell, Mini-Achterbahn und Rostbratwürstchen haben rivalisierende Jugendgruppen die Schausteller zehn Tage lang in die Verzweiflung getrieben... In Gruppen von 100 bis 139 Mann zogen sie über den Platz, legten sich mit anderen Gruppen an... Wegen der täglichen Prügeleien setzte die Polizei ihren Sondereinsatztrupp "Prios" ein. Zunächst waren sechs, zuletzt sogar 30 uniformierte Beamte vor Ort... Was Bruno Schmelter (Vorsitzender des örtlichen Schausteller-Verbandes) am meisten schmerzt: "Beim Anblick der verfeindeten Jugendgruppen haben die Familien kehrt gemacht... Hoffentlich greift der Krawall-Tourismus nicht um sich"

Düsseldorf gilt seit Jahrhunderten beim Fahrenden Volk als freundliche Stadt mit friedlichen Einwohnern, die Spaß und Unterhaltung lieben. Deshalb ist diese Entwicklung besonders traurig. Den Krawall-Tourismus gibt es schon, trat aber bisher nur in traditionell "rauheren" Gegenden auf. Die Presse verzichtete bisher auf Berichterstattung - viellicht zu Recht.


Das Warnschild "Achtung Kirmes" stammt von der Fanseite "Kirmes in Waldgirmes"